Projekt Aktila-BS integriert blinde oder sehbehinderte Menschen

Es soll einen Beitrag zur Aktivierung und Integration langzeitarbeitsloser und sehbehinderter Menschen leisten: Anfang März ist in Veitshöchheim (Lkr. Würzburg) das Projekt Aktila-BS offiziell gestartet worden.

Christoph Wutz, Geschäftsführer des Berufsförderungswerks (BFW) Würzburg, begrüßte zum Auftakt aus ganz Deutschland angereiste Förderer oder Partner von Aktila-BS (Aktivierung und Integration langzeitarbeitsloser blinder und sehbehinderter Menschen). Das Projekt wird vom Bundessozialministerium mit drei Millionen Euro gefördert.


Aktila Auftakt
Start des Integrations-Projektes Aktila-BS (v.l.): Monika Weigand (Projektleiterin), André Kunning (BFW Halle/Saale), Niels Reith (Geschäftsführer BFW-Bundesverband), Andrea Bartsch und Thorsten Letsche (Nikolauspflege Stiftung BISS), Gregor Olszewski (BFW-Rehabilitand), Paul Lehrieder (MdB), Christoph Wutz (Geschäftsführer BFW Würzburg) Kerstin Kölzner (Geschäftsführerin BFW Halle/Saale), Willy Willeke (Direktor Deutsche Rentenversicherung Nordbayern), Susanne Beckenkamp (BFW Düren), Klaus Winger (Geschäftsführer DVBS) Arsen Abajyan (BMAS), Ute Mölter (Deutsche Blindenstudienanstalt), Heinz-Willi Bach (Vorstandsmitglied DVBS) Jörn Sommer (Institut InterVal GmbH).


Berufliche Reha kaum bekannt

Bis zuletzt, so sagte Wutz, sei er noch „auf Kohlen gesessen“, denn erst ein Tag vor dem Projektstart sei die offizielle Genehmigung eingegangen. Ziel des Projektes ist es, herauszufinden, warum trotz guter Wirtschaftslage in Deutschland, die Arbeitslosigkeit bei schwerbehinderten Menschen zumindest nicht im gleichen Maße rückgängig ist wie auf dem übrigen Arbeitsmarkt. Und vor allem, warum sie speziell bei blinden oder sehbehinderten Arbeitslosen bestenfalls stagniert. Ob das an der Ausbildung, an der Motivation oder an den Angeboten der Leistungsträger hängt, soll nachvollzogen werden.

Arsen Abajyan vom Sozialministerium (BMAS) hatte statistische Zahlen nach Veitshöchheim mitgebracht, die nach seinen Worten Mut machen. So hätten 2014 gut eine Million Schwerbehinderte eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit ausgeübt, das seien 42 Prozent mehr als 2002. Die Beschäftigungsquote sei so im gleichen Zeitraum von 3,8 auf 4,7 Prozent gestiegen. Gleichwohl bestehe noch erhebliches Verbesserungspotenzial. Laut Abajyan ist es erschreckend, dass 40 Prozent der Kleinstunternehmer noch nichts von beruflicher Reha gehört haben. Aktila-BS stufte Abajyan auch wegen des breiten Netzwerks als ein Projekt ganz im Sinne des neuen Bundesteilhabegesetzes ein.

Die Federführung des Projektes liegt beim BFW Würzburg, der nach eigenen Angaben im Verbund mit zahlreichen Kooperationspartnern aus dem Bereich der Beschäftigungsförderung, Vermittlung, Rehabilitation und nicht zuletzt der Selbsthilfe und der Wirtschaft agiert.


40 Menschen sollen Jobs finden

BFW-Projektleiterin Monika Weigand stellte zum Auftakt die Pläne konkreter vor: Sie nannte als erstes Teilziel von Aktila-BS eine Analyse der Vermittlungshemmnisse. Zweites Teilziel sei dann in Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern und dem Projektbeirat die Erstellung eines Leitfadens für Aktivierungsmaßnahmen. Ganz am Ende des Projektes soll unter anderem die erfolgreiche Arbeitsmarkt-Integration von etwa 40 blinden oder sehbehinderten Menschen stehen.

Wie kann das gelingen? Ein Beispiel ist Gregor Olszewski. Der 41-Jährige war von 2001 bis vor zwei Wochen Langzeitarbeitsloser und er schilderte seine Erfahrungen: So könne er Auto fahren, habe jedoch große Probleme beispielsweise am Bildschirmmonitor, weil er alles doppelt sehe. Deshalb und weil psychische Probleme hinzukamen, verlor er seinen Job als gelernter Altenpfleger und war lange Zeit nicht vermittelbar.

Er nutzte seine Zeit, begleitete für die Bahnhofsmission beispielsweise alleinreisende Kinder zu den Zügen. 2011 wurde ihm dann zur Umschulung geraten. Im BFW in Veitshöchheim lernte er dann in der Grundreha die Blindenschrift und in einer Umschulung auch Englisch. Mit neuem Selbstbewusstsein ausgestattet, verkündete Olszewski nun, dass er vor 14 Tagen die Zusage für eine berufliche Anstellung als Bodensteward bei der Lufthansa am Frankfurter Flughafen bekommen hatte. Das ist nur wenige Kilometer von seinem Wohnort entfernt.


AUTOR: Dieter Gürz


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