Die Punkte ziehen – aber wohin?

Unter diesem Motto fand vom 25. - 27. Februar 2016 im Berufsförderungswerk (BFW) Halle (Saale), dem beruflichen Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte die Fachtagung der Arbeitsgemeinschaft (AG) Braille im Verband für Blinden- und Sehbehindertenpädagogik e. V. (VBS) statt.

Über 50 Teilnehmer aus mehr als 25 Einrichtungen aus der Blindenbildung sowie drei Blindenschrift-Verlagshäuser aus insgesamt 4 Ländern nutzten die Möglichkeit zur Weiterbildung und zum Erfahrungsaustausch.

Nach der Eröffnung der Fachtagung wurden die Teilnehmenden durch Kerstin Kölzner, der Geschäftsführerin des BFW Halle (Saale), begrüßt.
Bereits am Donnerstagnachmittag stellte Erich Schmid, Mitglied des Brailleschrift-Komitees deutschsprachiger Länder (BSKDL), die am 13. November 2015 in Frankfurt beschlossene (kleine) Reform der Systematik der Blindenkurzschrift, die in Kürze veröffentlicht wird, exklusiv dem anwesenden Fachpublikum vor.
Nachfolgend zeigte Heidi Theiß-Klee, Vorstandsmitglied der AG Braille, die Umsetzung der englischen Braille-Kurzschrift UEB (Unified English Braille) nach dem Inkrafttreten des neuen Regelwerks spannend mit zeitlicher Abfolge in den USA sowie weiteren englischsprachigen Ländern auf.
Am späten Abend, nach weiteren Fachvorträgen, gelang es Lia Cariboni von der Schweizerischen Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte (SBS), mit Braillenoten zum Durchlüften das gesamte Publikum in Bewegung zu versetzen. Erhitzt und gelöst waren die Köpfe wieder frei für Vorträge aus der Computerwelt blinder Programmierer sowie Anwender.

Der Freitag begann mit dem Schlüsselvortrag zur Zukunft der Brailleschrift von Prof. Ursula Hofer,  Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik Zürich. Innerhalb einer 2015 in Deutschland und der Schweiz erfolgten Online/Offline-Befragung wurden zur Zukunft der Brailleschrift (ZuBra) Schriftsprachkompetenzen von Brailleleserinnen und Braillelesern erfasst. Ausführlich stellte Prof.  Hofer bisherige Ergebnisse aus der Auswertung der ZuBra-Studie vor.
Aus der Praxis der integrativen Beschulung blinder Kinder in der Grundschule berichtete Melanie Krombach, Schloss-Schule Ilvesheim, vom Einsatz von neuer Technik, speziell hier iPads ®.

Anschließend gaben Prof. Dr. rer. nat. habil. Gerhard Weber und Jens Bornschein mit elektronischem 2D-Braille Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte der Technischen Universität Dresden .
Der Nachmittag lud zum Stöbern in den Auslagen des Punkte-Cafés ein.
Unterrichtsmaterialien u. a. der Deutschen Zentralbücherei für Blinde in Leipzig, der Deutschen Blindenstudienanstalt e. V. in Marburg und der SBS Zürich wurden interessiert durchblättert und getastet.

Ausgiebig wurde auch der SVGPlott der TU Dresden von den blinden Tagungsteilnehmern getestet.

Viele Fachgespräche fanden statt, unter anderem stellte sich Wolfgang Hubert den Fragen der RFTC-Anwender.

Am späten Nachmittag folgten Workshops zur Mathematikschrift, zur Notenschrift sowie zur Erstellung selbst gefertigter Schmuckstücke mit verborgener (geheimer) Braille-Botschaft.

Beim fakultativen Abendprogramm in der Stiftung Händel-Haus konnten wir das Geburtshaus und die Wohnstätte des bedeutsamen Komponisten Georg Friedrich Händel besichtigen. Durch das Vorspielen kleiner Musikstücke wurden die historischen Instrumente mehrerer Jahrhunderte hörbar und erlebbar.

Der Samstag begann mit der Vorstellung des iPhones ® als Hilfsmittel zur Förderung von Schriftsprachkompetenzen. Der anschließende Vortrag zum Brailleschrift-Erwerb am BFW Halle (Saale) führte zur regen Diskussion und zum fachlichen Austausch der Blindenschrift Pädagogen.

Workshops zur fremdsprachigen Brailleschrift (Englisch sowie Französisch) sowie ein Erfahrungsaustausch zur Brailleschrift-Anbahnung bei Schülern mit geistiger Behinderung ergänzten das anspruchsvolle Tagungsprogramm.

Ein Dank soll hier an den (bisherigen) Vorstand der AG Braille im VBS, Vivian Aldridge, Dr. Petra Aldridge und Heidi Theiß-Klee, für drei spannende Tage voller neuer Erkenntnisse, Wissens- und Erfahrungsaustausch erfolgen.

Beate Hasdorf
BFW Halle (Saale)
2. März 2016

Ihre Ansprechpartnerin:

Elke Busching

Kontakt- und Clearingstelle
Elke Busching

Tel.: 0345 1334-666

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